Stromtarife – was sind sie und welche Auswirkungen haben sie auf die Fertigungsindustrie?

3 April 2025

Energiekosten stellen eine große Herausforderung für die verarbeitende Industrie in den nordischen Ländern dar. In den kommenden Jahren werden Änderungen bei der Berechnung der Netzentgelte eingeführt – in Form sogenannter Leistungstarife. Für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch bedeuten diese neuen Spielregeln eine direkte Auswirkung auf die Kostenstruktur. In diesem Artikel erklären wir, was Leistungstarife sind, welche Änderungen – insbesondere in Schweden – bevorstehen und wie sie große Produktionsunternehmen aus Kostensicht betreffen. Wir zeigen außerdem, warum fehlende Kontrolle über den Leistungsbezug teuer werden kann und warum kontinuierliche, hochauflösende Messung der Schlüssel zum Erfolg ist.

Was sind Leistungstarife?

Leistungstarife bedeuten, dass die Netznutzung auf Basis der Leistung (kW) – also der gleichzeitigen Belastung – abgerechnet wird, und nicht nur auf Basis des gesamten Energieverbrauchs (kWh). Im Gegensatz zu einem klassischen Arbeitspreistarif (Öre/kWh), bei dem die Kosten von der verbrauchten Energiemenge abhängen, ist der Leistungstarif davon beeinflusst, wie hoch die Leistungsaufnahme über kurze Zeiträume ist. Ein einziger starker Leistungsspitzenwert kann somit die Kosten deutlich in die Höhe treiben – selbst wenn der Gesamtenergieverbrauch nicht besonders hoch ist.

Kommende Änderungen in den nordischen Ländern (insbesondere Schweden)

In ganz Nordeuropa ist ein klarer Trend zur Einführung von Leistungstarifen erkennbar, wobei Schweden mit konkreten Vorgaben vorangeht. Die schwedische Regulierungsbehörde für den Energiemarkt (Ei) hat beschlossen, dass alle Netzbetreiber in Schweden spätestens bis zum 1. Januar 2027 ein Preismodell mit einem Leistungspreis einführen müssen. Bereits heute verwenden mehrere Netzbetreiber in Schweden eine Form von Leistungstarif, und die übrigen werden voraussichtlich in den nächsten Jahren folgen.

 

Hintergrund dieser Entwicklung ist die zunehmende Elektrifizierung der Gesellschaft. Wenn viele Verbraucher gleichzeitig viel Strom beziehen, entstehen Leistungsspitzen, die das Netz stark belasten. Leistungstarife sollen den Kunden genauere Preissignale senden – damit sie ihren Stromverbrauch auf Zeiten mit geringerer Netzauslastung verlagern. So kann die bestehende Netzkapazität effizienter genutzt und teure Netzausbauten teilweise vermieden werden.

Wie wirken sich Leistungstarife auf Industrieunternehmen aus?

Für große Produktionsunternehmen mit hohem Stromverbrauch kann der Lastverlauf entscheidend für die Gesamtkosten werden. Zwei Fabriken mit demselben Jahresverbrauch (kWh) können völlig unterschiedliche Netzkosten haben – abhängig von ihrem Leistungsprofil. Die Fabrik, die ihren Stromverbrauch gleichmäßig über Tag und Woche verteilt, kann in manchen Fällen niedrigere Gebühren zahlen, während ein Wettbewerber mit hoher Leistung in Spitzenzeiten mit höheren Kosten rechnen muss.

 

Leistungstarife werden häufig auf Basis der höchsten gemessenen Leistung (kW) pro Monat berechnet. Das bedeutet, dass einzelne, energieintensive Vorgänge – wie das gleichzeitige Starten mehrerer großer Prozesse – eine Leistungsspitze verursachen können, die die monatlichen Kosten erheblich erhöht. Für Energiemanager und Geschäftsleitungen ist es daher wichtig, den Leistungsbedarf des Unternehmens zu analysieren und unnötige Spitzen durch zeitliche Verteilung energieintensiver Prozesse zu vermeiden.

Warum fehlende Kontrolle über den Leistungsbezug teuer werden kann

Wer seine Leistungsaufnahme nicht aktiv überwacht und steuert, muss im neuen System mit höheren Kosten rechnen. Bisher lag der Fokus auf der Reduzierung des Energieverbrauchs (kWh), doch nun wird auch der gleichzeitige Bezug (kW) zu einem kritischen Faktor. Vorgänge, die früher unproblematisch waren – etwa das Einschalten aller großen Maschinen am Morgen – können nun zu hohen Zusatzkosten führen.

 

Konkrete Beispiele:

Unerwartete Kostenspitzen

Einzelne Leistungsspitzen können die Monatsrechnung stark belasten – häufig erst sichtbar, wenn die Abrechnung vorliegt.

Unnötige Gebühren

Ohne aktive Überwachung und Laststeuerung zahlt man oft mehr als nötig – insbesondere bei Nutzung während Spitzenlastzeiten.

Fehlinvestitionen

Ohne Leistungsdaten kann es zu Über- oder Unterdimensionierung kommen. Es wird wirtschaftlicher, in Geräte mit gleichmäßiger Belastung und ohne hohe Spitzen zu investieren.

Kontinuierliche Messung – der Schlüssel zur Kontrolle

Die einzige effektive Möglichkeit, mit Leistungstarifen umzugehen, ist eine präzise und kontinuierliche Messung des Stromverbrauchs. Neue intelligente Zähler ermöglichen hochauflösende Messungen (z. B. alle 15 Minuten) und liefern damit klare Daten darüber, wann und wo Leistungsspitzen auftreten.

Um erfolgreich zu sein, sollten Unternehmen:

1.
Kurze Messintervalle verwenden

Erheben Sie detaillierte Verbrauchsdaten – möglichst getrennt nach Bereichen oder Anlagenteilen.

2.
Verbrauchsmuster analysieren

Identifizieren Sie Prozesse oder Maschinen, die zu Spitzen beitragen. Legen Sie Alarme an diesen Punkten an, um rechtzeitig reagieren zu können.

3.
Datenbasiert handeln

Ändern Sie Zeitpläne, starten Sie Maschinen sequentiell, setzen Sie Energiespeicher oder andere Laststeuerungssysteme ein, um Spitzen zu vermeiden.

Wer nicht misst, zahlt drauf

Leistungstarife sind gekommen, um zu bleiben, und werden alle großen Stromverbraucher in Nordeuropa betreffen. Für Energiemanager und Unternehmensführungen ist die Botschaft klar: Verstehen Sie, was Leistungstarife bedeuten, und handeln Sie proaktiv, um Leistungsspitzen zu glätten. Unternehmen, die messen, analysieren und ihren Leistungsbezug optimieren, können die Kosten im Griff behalten – während andere von unerwarteten Kostensteigerungen überrascht werden könnten.

Quellen

Energiemarktinspektion (EI) – Anforderungen an neue Stromtarife.

Energieversorger – Informationen zu Strompreisen und Netzregelungen.

Gävle Energi – Beispiele für Stromtarife und ihre Anwendung.

Statistiken von Ei (2025) – Prozentsatz der Stromnetzunternehmen, die eine Erschließungsgebühr eingeführt haben.

Beispiele aus Finnland und Norwegen – Internationale Erfahrungen mit Stromtarifen.

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